Die Zentrale Notaufnahme im Bürger­hospital: Schnelle Hilfe im Ernstfall

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) ist ein Ort, an dem Leben retten zum Alltag gehört. Nur was passiert täglich bei der Arbeit des Teams von Markus Seipel – dem pflegerischen Leiter der Zentralen Notaufnahme. Wir haben einen interessanten Blick hinter die Kulissen geworfen und erfahren, welche Rolle die Kollegen der Pflege dabei spielen.

Mit ruhiger Stimme fragt die Krankenschwester nach dem Zustand einer Patientin, nach ihrer Adresse und Telefonnummer. Gleichzeitig notiert sie sich, ob und welche Medikamente sie einnimmt. Eine junge Frau ist auf beide Knie gestürzt, sie kann sich nur sehr schwer bewegen und hat sichtbar starke Schmerzen. Die Krankenschwester beruhigt, telefoniert und begleitet die Verletzte zum Arzt. Nach Abstimmung im Team organisiert sie einen Röntgentermin. Direkt sind helfende Hände da, um die Frau zur Röntgenabteilung zu bringen. Wem es schlecht geht, der wird schnell versorgt. Schwester Magdalena hat den Anspruch, den Patienten unmittelbar zu helfen: „Meine Philosophie ist es, für jeden da zu sein und ihn nach der Schwere der Erkrankung zu behandeln.“ Gleichzeitig muss das Pflegepersonal auch den Wartebereich immer im Blick haben. Zehn Minuten später wird Magdalena von ihren Kollegen angerufen und um sofortige Unterstützung gebeten. Ein junger Patient hat sich die Schulter gebrochen.

Nachdem die Patientin mit dem Rettungswagen im Bürger­hospital angekommen ist, fragt Schwester Magdalena nach ihrem Zustand.

Nach einem Unfall oder einer dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist die Zentrale Notaufnahme (ZNA) im Bürger­hospital Frankfurt für Patienten aus Frankfurt und Umgebung in den meisten Fällen die erste Anlaufstelle. Das Ziel der Notaufnahme ist es, allen Patienten möglichst schnell und auf kürzestem Wege eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten bildet dabei eine wichtige Voraussetzung. In keinem anderen Bereich wird eine derartige Bandbreite von Verletzungen und Krankheiten behandelt. Das Team der Zentralen Notaufnahme setzt sich zusammen aus medizinischen Fachangestellten, examinierten Pflegekräften und Ärzten aus dem internistischen und chirurgischen Fachbereich. „Wir sind hier eine unglaublich tolle Mannschaft“, sagt der pflegerische Leiter, Markus Seipel: „Jeder kann sich auf den anderen verlassen.“

Die Einweisung der Notfallpatienten erfolgt in der Regel über den Hausarzt, Facharzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) oder den Rettungsdienst. Durch ein computerbasiertes System, das der Leitstelle die freien Kapazitäten der Krankenhäuser zeigt, werden die Notfallpatienten sowie der Schweregrad der Erkrankung bzw. Verletzung und die Ankunftszeit angekündigt. So weiß das Team der Notaufnahme, noch bevor der Patient im Krankenhaus ankommt, wie schwer dieser verletzt und wie dringend die Behandlung ist. Hier findet das sogenannte Manchester Triage System (MTS) seine Anwendung. Es handelt sich um ein standardisiertes Verfahren zur systematischen Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit von Patienten in Rettungsstellen bzw. Notaufnahmen. Ziel ist die schnelle Festlegung von sicheren und nachvollziehbaren Behandlungsprioritäten.

 

 

Innerhalb kurzer Zeit wird der Patient beispielsweise nach den Symptomen zu „Lebensgefahr“, „Schmerzen“, „Blutverlust“, „Bewusstsein“, „Temperatur“ und „Krankheitsdauer" eingeschätzt und entsprechend dieser Einschätzung einer von drei Stufen der Dringlichkeit zugewiesen. Dies erfolgt nach der Ampellogik: Rot heißt “sofort Arztkontakt“, gelb “dringender Arztkontakt“ (ca. 20 Minuten Wartezeit), grün “nicht lebensbedrohlich“ (max. Wartezeit 90 Minuten). So wartet ein Patient mit einer leichteren Erkrankung oder Verletzung u. a. länger als ein Schwerverletzter. Auch wenn dieser nach ihm eingeliefert wurde. Die kontinuierliche Entwicklung des Manchester Triage Systems fordert regelmäßige Weiter­bildungen. Die Notaufnahme im Bürger­hospital stellt sicher, dass jeder im Team fortlaufend geschult wird und auf dem aktuellen Wissensstand ist. So absolvieren aktuell mehrere Mitarbeiter ebenso wie Kollegen aus der Notaufnahme des Clementine Kinder­hospitals die neu etablierte Fachweiterbildung Notfallpflege.

Wartezeiten sind in der Notaufnahme nicht vermeidbar, da sich nicht planen lässt, wie viele Patienten sie aufsuchen und welche Erkrankungen sie haben. Zusätzlich kommen den ganzen Tag Patienten zu Fuß in die Notaufnahme, zum Teil mit Beschwerden, die im ersten Eindruck nicht lebensbedrohlich sind. Im Bürger­hospital wird jeder Patient von einem Arzt gesehen. „Niemand wird abgewiesen. Es könnte eine ernste Erkrankung dahinterstehen. Deshalb ist die Ersteinschätzung und Beobachtung von enormer Wichtigkeit“, so Markus Seipel. Sieben Untersuchungszimmer, ein Schockraum, ein Cardioraum sowie ein Notfall-OP mit zwei Aufwachräumen stehen in der Zentralen Notaufnahme zur Verfügung. In einem der Räume ist jetzt der junge Mann mit dem Schulterbruch. Er ist mittlerweile geröntgt worden und weiß nun, dass er im Bürger­hospital operiert werden muss. Schwester Magdalena bringt ihn zur Patientenaufnahme, um alles für den stationären Aufenthalt zu besprechen.

Atemnot und Herzbeschwerden: Im Cardioraum wird die Patientin vom ärztlichen und pflegerischen Team untersucht.

Bei Gesundheitsbeschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, erfolgt die Weiterleitung an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Außer es handelt sich um Arbeitsunfälle oder Patienten, die im Bürger­hospital bereits vorbehandelt wurden. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) ist immer im Einsatz, wenn die niedergelassenen Ärzte keine Sprechstunde haben, z. B. an den Wochenenden und nachts, und kostenlos erreichbar unter der Telefonnummer 116 117. Dieser wird durch die Kassenärztliche Vereinigung organisiert. Im Bürger­hospital hat er eine seiner Niederlassungen. Seipel: „Seit über 15 Jahren findet eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem ÄBD statt und er ist eine große Entlastung für unsere Notaufnahme.“

Sven Braig, Assistenzarzt der Allgemeinund Viszeralchirurgie und Schwester Magdalena sind auf dem Weg zum nächsten Patienten. Bei der Frage, warum sie gerne in der ZNA des Bürger­hospitals arbeiten, sind sich beide einig: „Die Notaufnahme ist ein Bereich, wo man hinkommen kann und nicht weiß, was in den nächsten fünf Minuten passiert. Gerade das ist spannend. Das ist jeden Tag unsere Herausforderung.“


Wann in die Notaufnahme? Wann zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst?

Gesetzgebung und Rechtsprechung machen den Krankenhäusern klare Vorgaben: Innerhalb der regulären Sprechzeiten niedergelassener Ärzte (Mo, Di, Do 7.00 bis 19.00 Uhr; Mi, Fr 7.00 bis 14.00 Uhr) sind Krankenhäuser nicht berechtigt, Erkrankungen und Verletzungen, bei denen keine Gefahr für Leib und Leben besteht, in ihrer Notaufnahme zu behandeln.

Bei Erkrankungen, die keine Notfälle (z. B. Erkältungen, Magen-Darmbeschwerden, Rückenschmerzen) darstellen, verweisen sie daher nach einer ersten Untersuchung an die niedergelassenen Haus- und Fachärzte oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Diese sind per Gesetz für die Versorgung ambulanter Patienten verantwortlich.

Notfälle dürfen sie dagegen behandeln. Diese bestehen z. B. bei

  • akuten Schmerzzuständen
  • Atemnot
  • Bewusstlosigkeit
  • Blutverlust
  • Herzbeschwerden
  • Verdacht auf Schlaganfall
  • Lähmungserscheinungen
  • Unfällen mit Verdacht auf erhebliche Verletzungen
  • Vergiftungen
  • Bluthusten
  • Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt
  • Komplikationen in der Schwangerschaft
  • sexuellem Missbrauch

Den Ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie in unseren Räumlichkeiten:

Mo, Di, Do: 19.00 - 1.00 Uhr
Mi, Fr: 14.00 - 1.00 Uhr
Feiertags: 8.00 Uhr - 1.00 Uhr Sa, So: 8.00 Uhr - 1.00 Uhr

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